Thermisches Spritzen bringt eine Kombination aus Gefährdungen mit sich, die einzeln aus anderen Fertigungsverfahren bekannt sind, hier aber gleichzeitig auftreten können: feiner Metallrauch, hohe Lärmpegel, Strahlung aus Lichtbogen oder Flamme sowie heiße, teils noch flüssige Partikel, die auf ungeschützte Haut treffen können. Wer Spritzarbeiten organisiert oder beauftragt, sollte diese Gefährdungen kennen, statt sich auf allgemeine Schutzausrüstung zu verlassen.
Für Werkstattleiter, Sicherheitsbeauftragte und Einkäufer, die Spritzarbeiten in Auftrag geben, lohnt sich deshalb ein strukturierter Blick auf die wichtigsten Gefährdungsfelder und die üblichen Schutzmaßnahmen dagegen.
Welche Gefährdungen beim thermischen Spritzen zusammenkommen
Anders als bei vielen anderen Fertigungsverfahren treten beim thermischen Spritzen mehrere Gefährdungsarten gleichzeitig auf: luftgetragener Metallrauch und Feinstaub, hohe Schallpegel durch Lichtbogen- oder Plasmaspritzen, optische Strahlung aus dem Spritzprozess sowie heiße bis geschmolzene Partikel, die beim Auftreffen auf die Bauteiloberfläche teilweise zurückspritzen können.
Hinzu kommt bei bestimmten Metallen, etwa Aluminium oder Zink, die grundsätzliche Möglichkeit einer Staubexplosion, wenn feiner Metallstaub in ausreichender Konzentration mit Luft und einer Zündquelle zusammentrifft.
Eine wirksame Gefährdungsbeurteilung betrachtet deshalb nicht jede Gefährdung isoliert, sondern das Zusammenspiel aller Faktoren am konkreten Arbeitsplatz.
Rauch und Feinstaub: Absaugung und Atemschutz
Beim Aufschmelzen des Spritzwerkstoffs entstehen feine Metalloxidpartikel, die eingeatmet werden können. Eine wirksame Absaugung direkt am Entstehungsort, kombiniert mit einer geeigneten Kabinenbelüftung, reduziert die Belastung der Beschäftigten deutlich gegenüber einer offenen Arbeitsumgebung ohne gezielte Absaugung.
Wo die Absaugung allein nicht ausreicht, um die Belastung ausreichend zu senken, kommt zusätzlich geeigneter Atemschutz zum Einsatz, dessen Auswahl sich nach dem verarbeiteten Werkstoff und der tatsächlichen Expositionssituation richtet.
Regelmäßige Wartung und Kontrolle der Absauganlage gehören ebenso zum Arbeitsschutzkonzept wie die eigentliche Filtertechnik, weil eine verschmutzte oder schlecht gewartete Anlage ihre Wirksamkeit verliert, ohne dass dies unmittelbar auffällt.
Lärmbelastung durch Lichtbogen- und Plasmaspritzen
Lichtbogen- und Plasmaspritzverfahren erzeugen deutlich höhere Schallpegel als etwa Flammspritzen mit vergleichsweise ruhiger Flamme. In Spritzkabinen kann der Lärmpegel dauerhaft in einem Bereich liegen, der ohne Gehörschutz zu Gehörschäden führen kann.
Neben persönlichem Gehörschutz für die unmittelbar arbeitenden Personen ist auch der Schallschutz für angrenzende Arbeitsbereiche zu berücksichtigen, damit Beschäftigte, die nicht direkt am Spritzprozess beteiligt sind, nicht unnötig belastet werden.
Bauliche Maßnahmen wie schallgedämmte Kabinen reduzieren die Lärmausbreitung wirksamer als reine persönliche Schutzausrüstung, weil sie die Belastung bereits an der Quelle begrenzen.
Strahlungsschutz: UV und IR aus Lichtbogen und Flamme
Beim Lichtbogenspritzen entsteht optische Strahlung, die in ihrer Wirkung mit anderen Lichtbogenverfahren vergleichbar ist und ungeschützte Augen und Haut schädigen kann. Auch Flamm- und Plasmaspritzen gehen mit thermischer Strahlung einher, die bei längerer ungeschützter Exposition unangenehm bis schädlich werden kann.
Geeigneter Augen- und Gesichtsschutz mit passendem Schutzgrad sowie abdeckende Arbeitskleidung reduzieren die Belastung durch diese Strahlung deutlich. Auch Personen, die sich nur zeitweise in der Nähe des Spritzprozesses aufhalten, benötigen abhängig vom Abstand entsprechenden Schutz.
Kabinen mit geeigneten Sichtschutzscheiben oder -vorhängen verhindern zudem, dass Personen außerhalb der eigentlichen Spritzkabine ungeschützt der Strahlung ausgesetzt sind.
Brand- und Explosionsgefahr durch Metallstaub
Feiner Metallstaub bestimmter Werkstoffe, etwa Aluminium oder Zink, kann bei ausreichender Konzentration in der Luft und Vorhandensein einer Zündquelle eine Staubexplosion auslösen. Diese Gefahr betrifft weniger den unmittelbaren Spritzvorgang selbst als die Ablagerungen von Feinstaub in Absauganlagen, Filtern und schwer zugänglichen Bereichen der Kabine.
Absauganlagen für staubexplosionsfähige Metalle müssen deshalb konstruktiv auf diese Gefahr ausgelegt sein, statt eine allgemeine Absaugtechnik ohne entsprechende Auslegung einzusetzen. Auch regelmäßige Reinigung, um Staubablagerungen zu vermeiden, gehört zu den grundlegenden Schutzmaßnahmen.
Für Betriebe, die mit staubexplosionsfähigen Werkstoffen arbeiten, ist eine spezifische Gefährdungsbeurteilung für diesen Aspekt unverzichtbar, unabhängig von den übrigen Arbeitsschutzmaßnahmen rund um den Spritzprozess.
Persönliche Schutzausrüstung gegen heiße Partikel
Beim Auftreffen des Spritzstrahls auf die Bauteiloberfläche können einzelne Partikel zurückspritzen und Personen in der Nähe treffen. Schwer entflammbare, abdeckende Arbeitskleidung sowie Handschuhe und Schutzschuhe, die gegen heiße Partikel beständig sind, gehören deshalb zur Grundausstattung an jedem Spritzarbeitsplatz.
Auch der Schutz exponierter Körperstellen wie Hals und Handgelenke verdient Aufmerksamkeit, weil gerade an Übergängen zwischen Kleidungsstücken heiße Partikel leicht eindringen können.
Regelmäßige Kontrolle und rechtzeitiger Austausch beschädigter Schutzausrüstung ist ebenso wichtig wie die ursprüngliche Auswahl, weil beschädigte Kleidung ihre Schutzwirkung verliert, ohne dass dies auf den ersten Blick auffällt.
Arbeitsplatzgestaltung: Kabinen und Absaugtechnik
Eine baulich abgetrennte Spritzkabine mit gerichteter Luftführung reduziert die Ausbreitung von Rauch, Lärm und Strahlung in angrenzende Arbeitsbereiche deutlich wirksamer als offene Arbeitsplätze ohne räumliche Trennung. Die Luftführung wird dabei so ausgelegt, dass Schadstoffe gezielt von der arbeitenden Person weg und zur Absaugung hin geführt werden.
Auch die Anordnung von Bauteil, Brenner und Absaugung zueinander beeinflusst, wie wirksam Rauch und Feinstaub tatsächlich erfasst werden, statt sich im Kabinenraum zu verteilen.
Für automatisierte oder teilautomatisierte Spritzprozesse mit Robotereinsatz lassen sich Bediener zusätzlich räumlich vom unmittelbaren Spritzprozess trennen, was die persönliche Exposition weiter reduziert.
Organisation: Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung
Technische Schutzmaßnahmen entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie von den Beschäftigten auch tatsächlich genutzt werden. Regelmäßige Unterweisung zu den spezifischen Gefährdungen des thermischen Spritzens, einschließlich der eingesetzten Werkstoffe, gehört deshalb zum festen Bestandteil eines funktionierenden Arbeitsschutzkonzepts.
Die Gefährdungsbeurteilung für Spritzarbeitsplätze sollte regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, insbesondere wenn sich Werkstoffe, Verfahren oder die räumliche Anordnung des Arbeitsplatzes ändern.
Für Auftraggeber, die Spritzarbeiten extern vergeben, lohnt sich zudem der Blick darauf, ob der ausführende Betrieb über eine aktuelle, auf die konkreten Verfahren abgestimmte Gefährdungsbeurteilung verfügt.
Häufige Fragen
Welche Gefährdungen treten beim thermischen Spritzen gleichzeitig auf?
Typisch ist das Zusammentreffen von Metallrauch und Feinstaub, hohem Lärmpegel, optischer Strahlung sowie heißen bis geschmolzenen Partikeln, die zurückspritzen können.
Warum ist Absaugung beim thermischen Spritzen so wichtig?
Sie erfasst Metallrauch und Feinstaub direkt am Entstehungsort und reduziert die Belastung der Beschäftigten deutlich gegenüber einer offenen Arbeitsumgebung ohne gezielte Absaugung.
Wie hoch ist die Lärmbelastung beim Lichtbogenspritzen?
Sie kann in Spritzkabinen dauerhaft in einem Bereich liegen, der ohne Gehörschutz zu Gehörschäden führen kann. Deshalb sind sowohl persönlicher Gehörschutz als auch bauliche Schallschutzmaßnahmen wichtig.
Welche Strahlung entsteht beim thermischen Spritzen?
Beim Lichtbogenspritzen entsteht optische Strahlung, bei Flamm- und Plasmaspritzen zusätzlich thermische Strahlung. Beide können ungeschützte Augen und Haut schädigen.
Warum ist Metallstaub eine Explosionsgefahr?
Bestimmte Metalle wie Aluminium oder Zink können als feiner Staub bei ausreichender Konzentration in der Luft und einer Zündquelle eine Staubexplosion auslösen, insbesondere bei Ablagerungen in Absauganlagen und Filtern.
Welche persönliche Schutzausrüstung ist am Spritzarbeitsplatz nötig?
Schwer entflammbare, abdeckende Arbeitskleidung, Handschuhe und Schutzschuhe gegen heiße Partikel sowie geeigneter Augen-, Gesichts- und Gehörschutz gehören zur Grundausstattung.
Wie oft sollte die Gefährdungsbeurteilung für Spritzarbeitsplätze aktualisiert werden?
Regelmäßig und insbesondere dann, wenn sich Werkstoffe, Verfahren oder die räumliche Anordnung des Arbeitsplatzes ändern.